Interview mit Ursula Boos

Das Interview wurde im Rahmen des 125 jährigen Jubiläum 2013 geführt.

Ursula Boos PortraitUrsula Boos

Unsere Ursel ist eine derjenigen, die das Wort „Ehrenamt“ quasi personifizieren. Sie lebt, fühlt, denkt für das gesellschaftliche Engagement und ist dabei ein wirklich inspirierender und mitreißender Charakter:

 

1. Woher kommt Deine Verbundenheit mit dem Turnverein?

Früher , so mit 10-12 Jahren, habe ich unter Hans Knapp im TV geturnt. Wir waren eine riesige Mädchengruppe; das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Das Vorturnen bei Seniorennachmittagen ist mir in lebendiger Erinnerung geblieben, Bock springen und Salto mit dem Mini-Trampolin. Aber auch die Ballspiele waren schon immer mein Ding. So kam es, dass ich als Jugendliche erst mal zum Handball beim SV Wisper abgewandert bin. Später kam noch Tennis beim Kauber TC hinzu.

Dann, als junge Mutter hatte der TV mich wieder. Ich ging mit meiner Tochter zum Eltern-Kind-Turnen zu Brigitte Dahlen, später dann mit meinem Sohn. 1993 suchte B. Dahlen eine Nachfolgerin für ihre Stunde, und so begann meine ÜL-Karriere.

2. Du bist ein wahnsinnig aktives Vereins- und Vorstandsmitglied sowie Übungsleiter, hast immer neue Ideen und Impulse auf Lager. Woher kommt Dein Antrieb für´s Ehrenamt?

Ich habe mich eigentlich schon immer engagiert, ob früher bei der Kirchengemeinde als Leiterin einer Jungengruppenstunde oder beim Elternbeirat im Kindergarten oder als Unterstützung der Lehrer bei Wanderungen, Klassenfahrten etc.

Einen großen Anteil haben wohl in dieser Hinsicht meine 4 Geschwister als Vorbilder. Diese gehörten in der Zeit meiner Kindheit dem damaligen „Club 2000“ an, der sich sehr viel in Lorch engagierte. Sei es Altpapier sammeln, in einer Kirchenschola singen, Kinderfeste ausrichten oder einen, für gemeinnützige Zwecke, äußerst Gewinn bringenden Trödelmarkt bei den ersten Rosenmontagsbazaren anzubieten. Und ich war immer dabei.

Ich liebe es zu organisieren…es muss dann aber auch alles klappen.
Mein Anspruch mir selbst gegenüber ist diesbezüglich hoch. Ich war halt schon immer so, und ich denke, ich werde auch immer so bleiben, auch wenn es oft schon anstrengend sein kann.

Es ist eigentlich ganz einfach: Es gibt Dinge in der Gemeinschaft, die müssen gemacht werden, sonst gibt es nur noch ein Nebeneinander und kein Miteinander mehr.

In Bezug auf unseren Heimatort Lorch sehe ich das folgendermaßen:
Lorch wird gerade vom restlichen Rheingau gerne als das eher unrühmlicher Ende des Rheingaus angesehen…das verschlafene Städtchen hinter den Schranken. Auch gerade dieser Aspekt spornt mich persönlich an im Rahmen unsrer Möglichkeiten innovativ da zustehen. Durch das Anbieten von Trends wie Zumba, Boule und im nächsten Jahr vielleicht Slackline-Workshops versuche ich zusammen mit meinen Vorstandskolleginnen den Lorchern etwas zu bieten. Stolz bin ich besonders auf meine Gerätturnerinnen, die nun schon seit 18 Jahren unseren Turnverein im Gau und auch auf Hessenebene würdig vertreten, qualitativ wie auch quantitativ. Immerhin schicken wir schon seit Jahren ca. 20-25 Mädchen zu den Wettkämpfen.

3. Was macht in Deinen Augen soziales Engagement aus und warum ist es heute so ungemein wichtig für die Gesellschaft?

Soziales Engagement war schon immer wichtig und wird es auch immer bleiben. Es gab schon immer Menschen, denen es einfach liegt und andere können damit nichts anfangen oder sie glauben es zumindest. Aber es gibt dermaßen viele Facetten in diesem Bereich, sodass eigentlich für jeden etwas zu finden wäre. Ich persönlich liebe es mit Kindern und auch seit meinem Berufsstart in der St. Vincenzstift gGmbH mit geistig behinderten Menschen umzugehen. Ich liebe deren Offenheit, Herzlichkeit und Ehrlichkeit. Man gibt nicht nur, man bekommt auch unendlich viel zurück. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich von „meinen Kindern“ gegrüßt werde, es entsteht eine gewisse Verbundenheit. Ich bin auch eine klare Verfechterin von Strukturen und Regeln bei Kindern. Kinder brauchen „klare“ Erwachsene als Vorbilder, kein Wischi-waschi. Dass ich da nicht falsch liege, zeigen mir die Reaktionen der Kinder. Natürlich bin ich aber auch der Clown, der viel Spaß mitmacht.

Der Gedanke daran, Menschen etwas Positives für ihre Lebensgestaltung mitgeben zu können, befriedigt.
Es gibt so viele Dinge, die man tun kann, auch Dinge im Hintergrund, die gemacht werden müssen. Nicht jedem liegt so viel an Kontakt zu Menschen wie mir.

Ich würde mir schon mehr Einsatz meiner Mitmenschen wünschen. Klar ist die Welt hektischer geworden als früher, aber für „nichts Zeit zu haben“ ist meines Erachtens eine faule Ausrede. In einer Welt vieler kleiner Egoisten kommt das Ehrenamt leider zu kurz.

Dabei macht das durchaus Spaß!
Ohne die vielen Ehrenamtler wäre die Gesellschaft schon lange zusammengebrochen.
Jeder kann und sollte wenigstens für eine Zeit ehrenamtlich tätig sein. Man kann nicht nur nehmen, man muss auch geben.

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